{"id":3334,"date":"2026-06-06T13:16:16","date_gmt":"2026-06-06T13:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/?p=3334"},"modified":"2026-06-06T13:34:45","modified_gmt":"2026-06-06T13:34:45","slug":"auf-menschlichkeit-beharren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/2026\/06\/06\/auf-menschlichkeit-beharren\/","title":{"rendered":"Auf Menschlichkeit beharren&#8230;"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"3334\" class=\"elementor elementor-3334\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-eb08228 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"eb08228\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-2327fdd elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"2327fdd\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"432\" src=\"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Design-ohne-Titel-4-768x432.png\" class=\"attachment-medium_large size-medium_large wp-image-3346\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Design-ohne-Titel-4-768x432.png 768w, https:\/\/kovara-xwebun1.org\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Design-ohne-Titel-4-300x169.png 300w, https:\/\/kovara-xwebun1.org\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Design-ohne-Titel-4-1024x576.png 1024w, https:\/\/kovara-xwebun1.org\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Design-ohne-Titel-4.png 1366w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-5a327e28 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"5a327e28\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-382a38df elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"382a38df\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Von Mazda Maria<\/em><br \/><br \/>In Zeiten in denen der Militarismus, die Aufr\u00fcstung, die Kriege jedoch auch die Gewalt in der Gesellschaft zunehmen, fragen wir uns doch alle mehr: Wo bleibt die Menschlichkeit? Kann die Welt so weiter gehen? Wie k\u00f6nnen wir die aktuellen Probleme l\u00f6sen und wer wird uns die L\u00f6sung bringen? R\u00eaber APOs Modell des <em>Demokratischen Konf\u00f6deralismus<\/em>\u00a0und sein Konzept der\u00a0<em>demokratischen Nation<\/em>\u00a0haben weltweit Hoffnung f\u00fcr eine Alternative jenseits von Staat erweckt. In seinen Projekten steht das Organisieren der Kommunen im Vordergrund. Die Kommune ist in der Praxis die kleinste Einheit der Organisierung innerhalb der Gesellschaft, sie ist eine Form von Mini-Gesellschaft. Eine Zusammenkunft von Menschen, die ihr Leben gemeinsam gestalten, gemeinsame Ideen und Vorstellungen erarbeiten und L\u00f6sungen f\u00fcr allt\u00e4gliche Probleme finden. Die Kommune ist eine grundlegende, nat\u00fcrliche Lebens- und Entscheidungsform der Gesellschaft. Im Kontext R\u00eaber APOs Philosophie ist sie eine freiwillige Vereinigung von Menschen in Nachbarschaften oder D\u00f6rfern, die sich basisdemokratisch selbst verwalten, ihr eigenes Leben gemeinsam organisieren und alle wichtigen Fragen in Versammlungen diskutieren und beschlie\u00dfen. Die Kommune stellt sich damit gegen den hierarchischen Nationalstaat und das kapitalistische Profitdenken und hat zum Ziel, ein kollektives, \u00f6kologisches und befreites Leben aufzubauen, in dem die Befreiung der Frau eine zentrale Rolle spielt. <strong>Bis hier hin alles sch\u00f6n und gut, doch reicht es sich auf kollektive Verwaltung zu einigen und ein demokratisches Projekt zu haben um \u201akommunal zu leben\u2018?<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Demokratische Mentalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommune ist keine rein physische Zusammenkunft. Die Schaffung demokratischer Systeme und Modelle \u2013 seien es R\u00e4testrukturen, Kommunen oder basisdemokratische Strukturen \u2013 ist zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung f\u00fcr ein wahrhaft demokratisches Leben. Die Strukturen bleiben leere H\u00fcllen, wenn sie nicht von einer entsprechenden\u00a0<strong>demokratischen Mentalit\u00e4t<\/strong>\u00a0durchdrungen werden. Demokratische Mentalit\u00e4t bedeutet, die Prinzipien der Kollektivit\u00e4t, der Gleichberechtigung, des \u00f6kologischen Lebens, der Freiheit der Frau und der gemeinsamen Verantwortung nicht nur auszusprechen und in den Sitzungen und dem Leben zu diskutieren, sondern sie zur inneren Haltung werden zu lassen. Solange in den K\u00f6pfen der Menschen noch die Hierarchien, der Sexismus und der Individualismus des alten Systems fortbestehen, werden diese die neuen demokratischen Strukturen von innen heraus untergraben. Daher ist der Aufbau einer demokratischen Gesellschaft untrennbar mit dem pers\u00f6nlichen und kollektiven Kampf um eine Ver\u00e4nderung des Bewusstseins verbunden.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1986 \u2013 Beginn der Pers\u00f6nlichkeitsanalysen<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die 80er Jahre zeigten deutlich: Das kapitalistische System \u2013 und ganz besonders die Kolonialisierung \u2013 hatte einen enormen Einfluss auf die kurdische Gesellschaft. Nun waren es gerade die Menschen aus dieser Gesellschaft, die der kurdischen Freiheitsbewegung beitraten, um ein freies Kurdistan aufzubauen.\u00a0<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frantz Fanon<\/strong>\u00a0schreibt in \u201adie Verdammten dieser Erde\u2019: \u201e<strong><em>Der Kolonialismus ist nicht zufrieden damit, dem Volk seine Gegenwart und seine Zukunft in die Hand zu nehmen. Er macht sich auch daran, die Vergangenheit zu verf\u00e4lschen. Er entstellt, verleumdet und zerst\u00f6rt sie und l\u00e4sst schlie\u00dflich die Kolonisierten in einer geistigen Unwahrheit und Entfremdung \u00fcber sich selbst leben.<\/em>&#8221; <\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u201aK\u00f6pfe\u2018 waren kolonialisiert. Schon nach dem 15. August 1984, also nach der ersten bewaffneten Guerillaaktion, sagte R\u00eaber APO,\u00a0<em>dass die Kugel, die am 15. August 1984 abgefeuert wurde, nicht dem Feind, sondern der Kaserne in unseren K\u00f6pfen galt.<\/em> Mit einem kolonialisierten Bewusstsein, mit einer sexistischen Mentalit\u00e4t und feudalem Charakter, k\u00f6nnen keine freiheitlichen, sozialistischen Revolution\u00e4rInnen entstehen, welche die Gesellschaft befreien und \u201aKurdistan aufbauen\u2018. Und wer sollte die Gesellschaft denn sonst \u00e4ndern, wenn nicht die VorreiterInnen dieser Revolution? Diese Einsicht sorgte daf\u00fcr, dass R\u00eaber APO ein klares L\u00f6sungsmodell anstrebte. Im dritten Kongress der PKK (1986) begann er mit den Pers\u00f6nlichkeitsanalysen, in denen er soziologische, historische und pers\u00f6nliche Analysen zu den VorreiterInnen machte. Ziel war die Erkennung, dass das eigentliche Problem nicht der Feind im klassischen Sinne war, sondern der \u201aFeind im Inneren\u2018. Er argumentierte, dass die jahrhundertelange koloniale und patriarchale Herrschaft nicht nur \u00e4u\u00dfere Strukturen, sondern auch eine \u201a<strong>kapitalistische Moderne-Pers\u00f6nlichkeit\u2018<\/strong>\u00a0geschaffen hatte \u2013 eine Pers\u00f6nlichkeit, die von Hierarchien, Gehorsam, Dogmatismus und Selbstentfremdung gepr\u00e4gt war. Ziel war eine\u00a0<strong>geistig-ideologische Revolution<\/strong>. Nur so konnte eine neue,\u00a0<strong>sozialistische Pers\u00f6nlichkeit\u00a0<\/strong>entstehen, die f\u00e4hig ist, eine wirklich demokratische, kommunale und befreite Gesellschaft ohne Staat und Kapitalismus aufzubauen. Der Kampf um die Gesellschaft musste also im eigenen Selbst beginnen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Gesellschaft muss sich selbst befreien<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist der Kern des Sozialismus-Verst\u00e4ndnisses von R\u00eaber APO die Demokratie. In seinen neuen Schriften spricht er oft vom \u201edemokratischen Sozialismus\u201c und betont nachdr\u00fccklich Begriffe wie die Kommune. Er geht sogar so weit, dass er seine ber\u00fchmte Parole \u201eauf den Sozialismus zu beharren bedeutet auf Menschlichkeit zu beharren\u201c ge\u00e4ndert hat in: \u201eAuf die Menschlichkeit zu beharren bedeutet auf den Sozialismus zu beharren!\u201c Doch was genau bedeutet das? Er stellt keine Ideologie in den Vordergrund, auch nicht seine eigene. In Zeiten der gesellschaftlichen Krisen und des Zerfalls der Menschlichkeit setzt er genau da an, wo es am Dringendsten n\u00f6tig ist: Die Menschlichkeit. Sozialismus ist nicht nur eine politische oder wirtschaftliche Theorie. Es ist eine demokratische Lebensart und Mentalit\u00e4t, mit der wir eine freiheitliche moralisch politische Gesellschaft aufbauen k\u00f6nnen. Sie steht nicht vor der Menschlichkeit \u2013 nein es ist die Menschlichkeit, auf die wir uns konzentrieren m\u00fcssen, um SozialistInnen zu werden. Und mit der Menschlichkeit ist hier gemeint, dass wir die demokratischen und moralischen Werte der Gesellschaft zur\u00fcckgewinnen m\u00fcssen. Sonst finden wir keinen Ausweg aus der Gewalt und den Zerst\u00f6rungen. Es geht auch nicht mehr darum, dass die Gesellschaft auf Hilfe von oben oder von au\u00dfen bittet. <em>Die Gesellschaft wird nicht befreit, sie muss sich selbst befreien.<\/em> Sie muss Verantwortung f\u00fcr sich selbst \u00fcbernehmen und ihr das zur\u00fcck erk\u00e4mpfen, was ihr genommen wurde: Ihre Selbstbestimmung und ihre Freiheit!<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>\u201eUm wirklich handeln zu k\u00f6nnen, muss der Mensch wieder f\u00e4hig werden, Verantwortung f\u00fcr sich selbst zu \u00fcbernehmen und zu antworten auf das, was er tut. Verantwortung und Antwort sind ein und dasselbe.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erich Fromm, \u201a<em>Die Furcht vor der Freiheit<\/em>\u2018 (1941)<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine demokratische freie Gesellschaft, kann nur von Menschen aufgebaut werden, die sich selbst konfrontieren, die mit sich selbst k\u00e4mpfen, um ihre Pers\u00f6nlichkeit zu demokratisieren, zu befreien. Das braucht Verantwortung \u2013 Verantwortung, f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr die eigenen Taten, aber auch Verantwortung f\u00fcr das ganze Kollektiv, die Mitmenschen und die Gesellschaft. Es mag sein, dass wir nicht selbst verantwortlich sind f\u00fcr die Einfl\u00fcsse des Patriarchats und des kapitalistischen Systems. Doch wir haben ganz sicher die M\u00f6glichkeit, die Verantwortung und auch das Recht, uns von diesen Einfl\u00fcssen zu befreien. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir auf Menschlichkeit beharren, um demokratische SozialistInnen zu werden und unsere Zukunft selbst in unsere H\u00e4nde zu nehmen.<\/p>\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a0<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solange in den K\u00f6pfen der Menschen noch die Hierarchien, der Sexismus und der Individualismus des alten Systems fortbestehen, werden diese die neuen demokratischen Strukturen von innen heraus untergraben.  <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3346,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[16],"authors":[12],"class_list":["post-3334","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-und-politik","tag-artikel","authors-mazda-maria"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3334","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3334"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3334\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3345,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3334\/revisions\/3345"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3346"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3334"},{"taxonomy":"authors","embeddable":true,"href":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/authors?post=3334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}