{"id":3206,"date":"2026-03-24T16:29:08","date_gmt":"2026-03-24T16:29:08","guid":{"rendered":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/?p=3206"},"modified":"2026-03-25T12:18:03","modified_gmt":"2026-03-25T12:18:03","slug":"streite-nicht-kampfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kovara-xwebun1.org\/index.php\/2026\/03\/24\/streite-nicht-kampfe\/","title":{"rendered":"Streite Nicht &#8211; K\u00e4mpfe!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Nr. 31  11\/2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine der grundlegenden Strategien der PAJK (Partei der Freien Frauen Kurdistans) ist die endg\u00fcltige Scheidung und Losl\u00f6sung von dem patriarchalen System und die Ver\u00e4nderung des dominanten Mannes. Das k\u00f6nnen wir sowohl als Strategie, als auch als Methode und Ziel verstehen. Aber was hei\u00dft es konkret, wenn wir von \u201eendg\u00fcltiger Scheidung\u201c und \u201eVer\u00e4nderung des dominanten Mannes\u201c sprechen? Sollen wir uns von M\u00e4nnern abschotten? Soll der Mann die Frau ablehnen und die Frau den Mann? Was ist \u00fcberhaupt die Ver\u00e4nderung des \u201edominanten Mannes\u201c? Wollen wir sein \u00c4u\u00dferes, seine Erscheinung ver\u00e4ndern, oder sein Gehirn, seine Gedanken?<\/p>\n\n\n\n<p>All das sind wichtige und interessante Fragen. In diesem Text wollen wir uns konkret mit dem Thema Geschlechterkampf besch\u00e4ftigen, ein Thema, das jedem der Teil der Organisation oder welatpar\u00eaz ist immer wieder begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wogegen k\u00e4mpfen wir?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kampf bedeutet, sich gegen etwas zu stellen, es nicht hinzunehmen, sondern es zu ver\u00e4ndern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Grundlage dieses Verst\u00e4ndnisses k\u00f6nnen wir uns dem Thema weiter ann\u00e4hern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Konflikt und Streit bezeichnen im klassischen Sinne Unstimmigkeiten zwischen Personen, die zu Ver\u00e4rgerung f\u00fchren und schlie\u00dflich auch zu Angriffen verbaler oder physischer Art f\u00fchren k\u00f6nnen. Der Geschlechterkampf ist jedoch kein Konflikt im klassischen Sinne. Es ist vielmehr ein Kampf, den du auf einer ideologischen Grundlage f\u00fchrst, ein Kampf, mit dem du ein langfristiges Ziel verfolgst. Um einen solchen Kampf erfolgreich in die Praxis umzusetzen wirst du alle Hindernisse, die dir begegnen, aus dem Weg schaffen m\u00fcssen. Hast du einen Feind, wirst du versuchen m\u00fcssen ihn zu besiegen. Das ist nicht mit einem einmaligen Duell erledigt, nein. F\u00fcr einen erfolgreichen Kampf ist es notwendig, dass deine \u00dcberlegungen langfristig sind, du Methoden entwickelst und dir deiner Strategie und Taktiken bewusst bist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: Zur Befreiung eines unterdr\u00fcckten Volkes wird es nat\u00fcrlich nicht ausreichen, ein paar Aktionen durchzuf\u00fchren und Konflikte anzuzetteln. Nein, es braucht eine langfristige Strategie. Das ist die tiefgreifende Bedeutung von Kampf, die also weit \u00fcber die oberfl\u00e4chliche Definition eines einfachen Konfliktes hinausgeht.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als kurdisches Volk sprechen wir immer wieder vom Kampf, weil wir eben nicht nur einen Konflikt austragen oder Krieg f\u00fchren. Krieg alleine reicht nicht aus, um unser Volk zu befreien. Wir setzen einen Kampf fort, der mit R\u00eaber APO begonnen hat: Den Kampf der Freiheit. Um diesen Kampf zum Erfolg zu f\u00fchren hat R\u00eaber APO das neue Paradigma geschaffen (Freiheit der Frau, \u00d6kologie und Basisdemokratie), hat ein System erschaffen (Demokratischer Konf\u00f6deralismus) und, vor allen Dingen, eine Partei gegr\u00fcndet, die die Vorreiterrolle im Aufbau der Demokratischen Moderne und eines alternativen Systems spielt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>All diese Aspekte h\u00e4ngen mit unserem Kampf f\u00fcr die Freiheit zusammen, daher ist es unabdingbar, ihren Zusammenhang zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt eine Analyse R\u00eaber APOs, in der er sagt&nbsp;\u201e<strong>Das m\u00e4nnliche Monopol ist das \u00e4lteste und machtvollste Monopol. Wir k\u00e4men daher zu realistischeren Schlussfolgerungen, wenn wir die weibliche Existenz als das \u00e4lteste koloniale Ph\u00e4nomen betrachteten. Es w\u00e4re vielleicht noch exakter, Frauen als das \u00e4lteste kolonialisierte Volk zu bezeichnen, welches nie zu einer Nation wurde. Die Frau ist viel mehr als nur ein anderes Geschlecht. Ihre Existenz hat \u00f6konomische, soziale und politische Dimensionen. Wenn wir den Kolonialismus nicht nur in Begriffen von Nationen und L\u00e4ndern betrachten, sondern auch auf Gruppen von Menschen beziehen, k\u00f6nnen wir die Frau als \u00e4lteste kolonialisierte Gruppe bestimmen. In der Tat ist kein anderes gesellschaftliches Wesen in Seele und K\u00f6rper derart vollst\u00e4ndig kolonialisiert worden. Es muss uns klar sein, dass die Frau als eine Kolonie gehalten wird, deren Grenzen nicht leicht auszumachen sind.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also die Frau die erste Kolonie ist, m\u00fcssen wir zuerst sie befreien um die Befreiung der ganzen Gesellschaft zu erreichen. Denn die Versklavung der Gesellschaft war erst durch die Versklavung der Frau m\u00f6glich.&nbsp;<br>Dieses System der Versklavung, das auf der Unterdr\u00fcckung der Frau aufbaut, bezeichnen wir als Patriarchat.&nbsp;&nbsp;Die daraus entstandene Mentalit\u00e4t des Mannes, der sich als \u00fcber der Frau stehend ansieht,&nbsp;nennen wir die m\u00e4nnliche Mentalit\u00e4t. Damit ein freies Leben m\u00f6glich ist, m\u00fcssen wir also das Patriarchat zerst\u00f6ren. Das gilt sowohl f\u00fcr die Frau, als auch f\u00fcr den Mann\/Dabei ist es egal, ob du eine Frau oder ein Mann bist. Mit dem Beginn des Patriarchats wurde sowohl die Frau als auch der Mann zum Sklaven. Die Frau wurde zur Sklavin des Mannes, der Mann zum Sklaven seines eigenen Systems.&nbsp;<br>Er wurde zum Sklaven der eigenen dominanten m\u00e4nnlichen Mentalit\u00e4t \u2013 von seinen Gedanken bis hin zu seinen Emotionen, von Kopf bis Fu\u00df wurde er von der patriarchalen Mentalit\u00e4t besetzt. Er sieht sich selbst \u00fcber der Frau, der Gesellschaft, der Natur und sogar \u00fcber dem Universum. Diese Mentalit\u00e4t hat den Mann dazu gebracht, sich als Herrscher dieser Welt, geradezu als ihr Gott zu sehen.&nbsp;<br>R\u00eaber APO hat das fr\u00fch verstanden und als Konsequenz die Freiheit der Frau als eine der drei S\u00e4ulen im neuen Paradigma verankert. Die Freiheit der Frau wurde somit einerseits zum Ziel, andererseits zum Schl\u00fcssel f\u00fcr den Erfolg des Freiheitskampfes.&nbsp;<br>Denn an einem Ort, an dem es Unterdr\u00fcckung, Gewalt und Besatzung gibt, kann es keine Freiheit geben. Damit der Kampf um Freiheit erfolgreich, das hei\u00dft mit einem Ziel, einem klaren Plan und einer geeigneten Strategie gef\u00fchrt werden kann, bedarf es einer Vorreiterschaft in Form einer Partei.<br>Das gilt f\u00fcr ein unterdr\u00fccktes Volk, welches nach Freiheit strebt, genauso wie f\u00fcr die Frau, welche wir ebenfalls als ein Volk bezeichnen k\u00f6nnen. Aus diesem Verst\u00e4ndnis heraus nahm der Freiheitskampf der Frau schlie\u00dflich die Form einer Partei an: Die Partei der Freien Frauen Kurdistans (PAJK) wurde gegr\u00fcndet.&nbsp;Durch die Partei findet der Kampf gegen das patriarchale System seinen reinsten Ausdruck, erreicht den h\u00f6chsten Grad an Organisierung und Radikalit\u00e4t.&nbsp;<br>Aber gegen was oder wen richtet sich der Kampf nun? Etwa gegen M\u00e4nner?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frau und Weiblichkeit; Mann und M\u00e4nnlichkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sagen, dass der Mann von der patriarchalen Mentalit\u00e4t beeinflusst und auf diese Weise von seiner eigenen Wahrheit und Freiheit entfernt wurde. Auch die Frau wurde versklavt, das Patriarchat hat ihre Gef\u00fchle, Gedanken und Handlungen manipuliert, ihre wahre Identit\u00e4t verf\u00e4lscht.&nbsp;<br>Wenn also der heutige Mann kein freier Mann ist, welche Art von Mann ist er dann? Und wer ist die Frau? Wie ist es heute und wie war es wohl fr\u00fcher?&nbsp;<br>Was ist der Mann, was ist die Frau? Wir m\u00fcssen verstehen, dass die heutige Frau nicht diejenige ist, die sie vor der Entstehung des Patriarchats war, genauso ist auch der Mann nicht der selbe wie fr\u00fcher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar hat auch eine Frau, die durch die H\u00e4nde des Patriarchats geschaffen wurde, weibliche Eigenschaften, ist also von ihrem (biologischen) Geschlecht her weiblich. Das, was ihre Weiblichkeit, ihr Frausein ausmacht, ist jedoch ver\u00e4ndert worden, eine neue soziale (Geschlechts-) Identit\u00e4t ist entstanden.&nbsp;<br>Weiblichkeit. Das l\u00e4sst sich nicht auf eine biologische Identit\u00e4t reduzieren.&nbsp;<br>F\u00fcr den Mann gilt dasselbe: Nat\u00fcrlich ist der Mann eine Geschlechtsidentit\u00e4t, doch wenn wir von M\u00e4nnlichkeit sprechen, beziehen wir uns auf\/meinen wir (auch) die soziale Realit\u00e4t, also die Eigenschaften, die das Patriarchat im Mann erschaffen hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird die Bedeutung des Geschlechterkampfes deutlich: Und zwar handelt es sich dabei nicht um einen Kampf gegen die Frau oder gegen den Mann. Sowohl die Frau, als auch der Mann sind zwei Identit\u00e4ten, zwei Existenzen, die es zu bewahren gilt. Der Geschlechterkampf richtet sich gegen die klassische Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit, gegen diejenigen Eigenschaften und Mentalit\u00e4ten, die das Patriarchat in uns aufgebaut hat. Es ist konkret der Kampf gegen veraltete Eigenschaften, gegen Unterdr\u00fcckung und Versklavung. Mit dem Geschlechterkampf wollen wir zuerst die klassischen Eigenschaften der Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit in uns selbst und schlie\u00dflich um uns herum t\u00f6ten, mit dem Ziel eine Identit\u00e4t als freie Frau bzw. freier Mann aufzubauen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei sich selbst beginnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor wir also losziehen um die M\u00e4nner zu ver\u00e4ndern sollten wir uns zun\u00e4chst selbst hinterfragen: Inwiefern sind Eigenschaften der klassischen Frau in mir vorhanden? Wie sehr bin ich von dominanter M\u00e4nnlichkeit beeinflusst? Wie gro\u00df ist der Einfluss des Patriarchats auf meine Gedanken und Gef\u00fchlen?<\/p>\n\n\n\n<p>Bis wir uns nicht selbst befreien, k\u00f6nnen wir auch den Mann nicht befreien. Deshalb muss der Geschlechterkampf als erstes in unserer eigenen Pers\u00f6nlichkeit gef\u00fchrt werden.&nbsp;<br>Das erfordert Verst\u00e4ndnis, das Kennenlernen des eigenen Geschlechts, Selbstbildung und Selbstdisziplin. Ohne diese Dinge ist es nicht m\u00f6glich, sich zu ver\u00e4ndern und zu k\u00e4mpfen.&nbsp;<br>Die Frage des Kampfes ist keine, die wir individuell beantworten k\u00f6nnen. Es ist ein kollektiver Kampf, der Kampf der Nation der unterdr\u00fcckten Frau.&nbsp;<br>Wenn wir den Geschlechterkampf richtig f\u00fchren wollen, m\u00fcssen wir uns vom System scheiden; m\u00fcssen uns von 5000 Jahren Patriarchat reinigen.&nbsp;<br>F\u00fcr den Mann gilt dasselbe. Der Mann muss an erster Stelle bei sich selbst anfangen. In jedem Moment die eigene dominante M\u00e4nnlichkeit hinterfragen und ihr den Kampf ansagen. Das Patriarchat ist kein System, welches du bek\u00e4mpfst indem du dich demokratisch gibst, aber gleichzeitig den Kopf gegen\u00fcber der Herrschaft neigst.<br>Das Ziel muss sein, die Herrschaft und die Gewalt an sich zu Fall zu bringen. Deshalb darf insbesondere der Mann die Eigenschaften des Patriarchats in sich nicht akzeptieren, nicht ausleben, sondern muss einen st\u00e4ndigen Kampf gegen diese f\u00fchren. So k\u00f6nnen wir die Wurzeln des Patriarchats austrocknen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einen Kampf mit seiner Umgebung f\u00fchren \u2013 aber wie<\/strong>?<\/p>\n\n\n\n<p>Warum haben wir zuallererst auf den Unterschied zwischen Krieg und Kampf hingewiesen? Damit wir nicht der Illusion verfallen, f\u00fcr einen Kampf w\u00fcrde es ausreichen, einen Aufstand anzuzetteln und ein paar Konflikte auszutragen.&nbsp;<br>Ganz nach dem Motto: \u201eIch habe eine Auseinandersetzung mit jemandem gehabt, jetzt hat er Angst vor mir\u201c oder \u201eEr hat mich angeschrien, ich habe zur\u00fcckgeschrien, also habe ich meine Antwort gegeben, das muss reichen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Genau diese Reaktion m\u00f6chte das System von uns sehen, so wurde es uns beigebracht.&nbsp;<br>Es m\u00f6chte, dass wir unsere Wut, die Anspannung und all die negativen Gef\u00fchle, die wir in uns sp\u00fcren, nach au\u00dfen tragen und an den Personen in unserem Umfeld auslassen; m\u00f6chte, dass wir unsere Gef\u00fchle auf diese Weise kanalisieren und uns danach selbstzufrieden zur\u00fccklehnen, ohne uns wirklich mit dem Kern dieser Gef\u00fchle auseinander gesetzt zu haben. Mag sein, dass die Ann\u00e4herung des Mannes dich aufregt, aber warum? Warum ist der Mann so, warum ist er so unterdr\u00fcckerisch? Dahinter steckt ein 5000 Jahre altes System. Deshalb \u2013 wenn wir also vom Kampf sprechen \u2013 geht es nicht, dass wir je nach Lust und Laune unsere Wut zeigen, ohne jegliche Kontinuit\u00e4t und Strategie, und uns auf diese Weise letztendlich selbst betr\u00fcgen. So \u00e4ndert sich weder der Mann, noch das System, und als Frau werden wir so erst Recht nicht ernst genommen.&nbsp;<br>Versteht es nicht falsch, das bedeutet nicht, dass wir keine Reaktion zeigen sollten. Dass wir auf Dinge im Alltag reagieren ist richtig und wichtig, denn als Frau d\u00fcrfen wir die dominant-m\u00e4nnliche Ann\u00e4herung uns gegen\u00fcber nicht akzeptieren. Wenn wir mit den strengen Regeln unseres Vaters konfrontiert sind, wenn unsere M\u00fctter uns Eigenschaften der klassischen Frau auferlegen m\u00f6chten, lehnen wir uns dagegen auf. Manchmal lassen unsere Lehrer sexistische Spr\u00fcche ab, manchmal rufen uns M\u00e4nner auf der Stra\u00dfe unmoralische Dinge hinterher \u2013 gegen diese Dinge wehren wir uns, geben eine Antwort. Diese Reflexe sind alle wichtig, aber f\u00fcr einen wirkungsvollen Kampf reichen sie nicht aus. Die Methoden unseres Kampfes m\u00fcssen breiter gedacht werden, m\u00fcssen sowohl kreativ als auch organisiert und au\u00dferdem immer moralisch sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kampf ganzheitlich zu sehen hei\u00dft, sich bewusst zu sein, dass sich nicht alles auf einmal \u00e4ndert; es braucht Zeit, es braucht Disziplin, es braucht Bildung, usw. Um ein Ergebnis zu erzielen braucht es M\u00fche und Beharrlichkeit. An allererster Stelle m\u00fcssen wir daf\u00fcr bei uns selbst anfangen, anschlie\u00dfend in unserem Umfeld weitermachen und so den Kampf Schritt f\u00fcr Schritt ausweiten.&nbsp;<br>Um das zu erreichen m\u00fcssen wir organisiert sein, das hei\u00dft jeden Angriff auf eine Frau als Angriffe auf die Existenz aller Frauen weltweit verstehen. Erst wenn wir das verstehen k\u00f6nnen wir uns wirklich als eine Einheit verstehen und entsprechend handeln.&nbsp;<br>Es kommt vor, dass individuelle Interessen und W\u00fcnsche der Organsierung von Frauen im Weg stehen, zum Beispiel dann, wenn unser Verhalten dazu f\u00fchrt, dass andere Frauen sich klein f\u00fchlen und wir so mit unserem Handeln dem Patriarchat den R\u00fccken st\u00e4rken. Das passiert, wenn wir unsere individuellen Gef\u00fchle als vorrangig ansehen, wenn wir sie gegen\u00fcber den allgemeinen Prinzipien der Organisierung priorisieren und nicht sehen, welchen Einfluss unser Verhalten hat.&nbsp;<br>Jede von uns muss sich bewusst werden, inwiefern der eigene Kampf zum Vorteil aller Frauen ist und inwiefern er lediglich individualistisch ist.<br>Auch Kreativit\u00e4t ist im Kampf wichtig, denn lediglich mit Kritiken k\u00f6nnen wir weder uns, noch die Freunde um uns herum ver\u00e4ndern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Analyse und Kritik sowie die Art, wie wir sie zum Ausdruck bringen, also unsere Sprache und Ann\u00e4herung, sind ohne Zweifel wichtig. Doch wenn wir in unseren Methoden noch kreativer werden, k\u00f6nnen wir wirkliche Fortschritte in der Ver\u00e4nderung der Mentalit\u00e4t erreichen. Ein Beispiel: Ich kann jeden Tag den gleichen Freund oder Freundin f\u00fcr dieselbe Sache kritisieren, auf diese Weise die Person ver\u00e4rgern und selber in der Kritik ersticken, die so zu keiner L\u00f6sung f\u00fchrt. Stattdessen kann ich aber auch eine Bildung organisieren, dort den Rahmen f\u00fcr tiefere, geschichtliche Diskussionen bieten, vielleicht auch einen ausdrucksstarken Film zeigen. Ich kann im organisatorischen Rahmen durch meine Haltung die Freunde um mich herum beeinflussen. Ich kann der Freundin ein Buch geben, das sie in ihrer Entwicklung weiterbringen wird. M\u00f6glichkeiten gibt es viele. Ist die Methode jedoch trocken und dem Ziel nicht angemessen k\u00f6nnen wir durch sie keinen Einfluss auf unser Gegen\u00fcber erzielen und auch nicht zum Kampf motivieren.&nbsp;<br>Hier m\u00fcssen wir also unser Wissen vertiefen und unsere Praxis voranbringen, Methoden weiterentwickeln und in keinem Moment vom Kampf zur\u00fcckweichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu guter Letzt: Unser Kampf muss moralisch sein. Moralisch in dem Sinne, dass wir patriarchale und dominant-m\u00e4nnliche Methoden unter keinen Umst\u00e4nden akzeptieren. Mit einem groben, dogmatischen oder harten Verhalten wird unser Kampf nicht zum Kampf, sondern zu einem Krieg der Dominanz. Mag sein, dass der Mann schreit und manipuliert \u2013 umso mehr m\u00fcssen wir wachsam sein und darauf achten, nicht dasselbe zu tun, nicht in dieselben Verhaltensmuster zu fallen und so letztendlich dem Patriarchat zu dienen. Statt uns der Art des Mannes anzupassen muss unsere Art und Weise, unser Stil der eines Freiheitssuchenden sein.&nbsp;<br>Es kann im Kampf manchmal vorkommen, dass unser Blick eingeengt wird und wir eine genervte Haltung oder Unverst\u00e4ndnis an den Tag legen. Das hat nat\u00fcrlich einen Einfluss auf unsere Ausdrucksweise und unser Handeln. Es stimmt, wir m\u00fcssen auf unsere Prinzipien bestehen, aber so sehr wir radikal sein m\u00fcssen so sehr m\u00fcssen wir auch empathisch sein, m\u00fcssen Verst\u00e4ndnis zeigen und eine Offenheit in unserer Haltung bewahren.&nbsp;<br>Letztendlich ist die Entstehung des Patriarchats weder deine, noch meine Schuld, und genauso wenig ist es die Schuld der Gesellschaft. Daher k\u00f6nnen wir eine Person auch nicht f\u00fcr ihre patriarchalen Eigenschaften verurteilen.&nbsp;Dennoch m\u00fcssen wir einen radikalen Kampf f\u00fchren mit den Personen, welche die Frau nicht akzeptieren und die nicht bereit sind, sich zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade als junge Frauen ist es unsere Aufgabe hier noch mutiger zu sein, mit feuriger Kraft und Entschlossenheit jegliche klassische Ann\u00e4herung zu bek\u00e4mpfen und ein klassisches Verst\u00e4ndnis der Frau nicht zu akzeptieren. Die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft liegt in unseren H\u00e4nden.&nbsp;<br>Dieses Leben, welches wir nicht akzeptieren, diese Ann\u00e4herungen, die in uns eine so gro\u00dfe Wut ausl\u00f6sen, werden nur mit einem organisierten und entschlossenen Kampf \u00fcberwunden werden.&nbsp;<br>Es ist an uns, den Geschlechterkampf noch besser zu verstehen, uns darin zu vertiefen und mit einem gest\u00e4rkten Bewusstsein diesen bedeutungsvollen Kampf zu f\u00fchren.<br>So wird Schritt f\u00fcr Schritt mit dem Zerfall des Patriarchats endlich der Freiheit der Weg geebnet. Eine freie Frau oder ein freier Mann zu werden ist schlie\u00dflich kein ferner Traum mehr, sondern wird Realit\u00e4t werden.&nbsp;<br>So k\u00f6nnen wir das sch\u00f6nste Leben, welches der Menschheit auch gerecht wird, aufbauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nr. 31 11\/2024 Eine der grundlegenden Strategien der PAJK (Partei der Freien Frauen Kurdistans) ist die endg\u00fcltige Scheidung und Losl\u00f6sung von dem patriarchalen System und die Ver\u00e4nderung des dominanten Mannes. Das k\u00f6nnen wir sowohl als Strategie, als auch als Methode und Ziel verstehen. 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