Die Kultur ist die Identität eines Menschen. Sie erschafft die Identität und formt die Gesellschaft zu einer Einheit. Und genau deswegen wird sie zur Zielscheibe des kapitalistischen Systems. Ein Angriff auf die Kultur ist ein Angriff auf die Existenz. Die Kultur ist das Ergebnis der Geschichte der Menschheit.

Alles ist Kultur

In Wahrheit ist alles, was die Menschheit geschaffen hat, Kultur. Alles, was die Menschheit der Natur hinzufügt hat, ist Kultur. Auch das Denken ist darin eingeschlossen. Die Kraft des Denkens und die Kraft aller Bedeutungen, die geschaffen wurden, sind Kultur.Serokatî sagt: “Jede Struktur hat eine Substanz und jede Substanz eine Struktur.”

Er sagte auch: “Wenn eine Struktur ihre Substanz verliert, verliert sie auch ihre Bedeutung. Der Kapitalismus hat sehr große Strukturen errichtet, aber ihr Inhalt ist hohl und bedeutungslos. Zum Beispiel sind die ägyptishen Pyramiden mumifizerte Leichen. In China gibt es die Verbotene Stadt, und in ihr befinden sich riesige Heerscharen von Tausenden von Statuen, die darauf warten in seine Welt zu erwachen”. Wenn diese Strukturen keinen Zweck oder Inhalt haben, täuschen sie die Warnehmung des Menschen. Die Kultur dient der Menschheit und ist das Fundament der Weiterentwicklung. 

Gedächtnis der Menschheit

Werte und die Moral, formen die Gesellschaft. Sie sind das Gedächtnis der Menschheit und somit auch ihre größte Waffe zum Schutz. Sie sind wie Wegweiser, die die Gesellschaft führen. Das Verständnis von Kultur ist sehr dogmatisch aber Kultur bleibt nicht immer gleich. Auch sie muss sich weiterentwickeln ohne dabei an Bedeutung zu verlieren. Durch die Förderung des Liberalismus erreicht man genau das. Hier lässt sich eine bekannte Strategie erkennen, denn je mehr eine Gesellschaft gespalten wird, desto angreifbarer wird sie. Eine Strategie, die seit Jahrzehnten am kurdischen Volk angewandt wird.  Dabei wird die Vielfalt der kurdischen Kultur als Mittel des Spezialkrieges benutzt.

Kurdische Kultur

Die kurdische Kultur ist reich und vielfältig und dies zeigt sich in allen Bereichen des Lebens von Sprache und Musik bis hin zu Kleidung und Essen. Im Fokus steht aber das gesellschaftliche Leben. Man spricht auch vom kommunalen Leben. Die eigentliche Frage ist, ob diese Angriffe wirklich so unsichtbar sind, dass wir sie nicht erkennen oder müssen wir uns eher fragen, wie sehr sie uns schon beeinflussen. Das Problem beginnt bei uns und endet auch bei uns. Es beginnt bereits damit, dass wir die Sprache und die Geschichte nicht kennen und können. Es ist aber nie nur eine Sprache oder nur eine Geschichte. Es sind Teile der Existenz und Identität. Die Muttersprache ist das, was dich mit deinem Volk verbindet. Mit ihr drückst du dich aus. Die Muttersprache zu sprechen ist schon eine Form von Widerstand gegen den Versuch der kulturellen Entfremdung. Eine Sprache zu verdrängen, mit dem Ziel, dass sie vergessen wird ist der Versuch eine Identität zu verdrängen und zu vergessen. 

Auch das findet sich in der Geschichte des kurdischen Volkes: Menschen wurden und werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, herabgewürdigt, gefoltert und aus ihrer Heimat vertrieben, nur weil sie Kurdisch sprechen. Die Angst, die dabei entstanden ist, beinflusst diese Menschen über Generationen hinweg bis heute.

Und aufgrund dieser Angst lehnen viele ihre Kultur und ihre Geschichte ab oder zeigen kein Interesse daran. Ob unfreiwillig oder aus freien Stücken ist hierbei unklar. Vergleichbar ist die Situation mit dem Geschichtsunterricht in der Schule. Hierbei wird die eigene Geschichte und somit die eigene Identität gleichgesetzt mit Daten und Ereignissen, die kein Verbindung zu uns haben. Man lernt nur auswenig ohne die Hintergründe zu kennen und zu verstehen.  

Geschichte ist etwas lebendiges

Jemand der seine Geschichte nicht kennt, kann sich selbst nicht kennen. Denn Geschichte ist nicht die Vergangenheit. Sie ist lebendig. Wir leben gerade in der Geschichte und sind Teil dieser. Serokati sagt: “Wer seine Geschichte nicht kennt, kann weder sein Heute noch sein Morgen verstehen. Um gewisse Geschehnisse, Persönlichkeiten und Emotionen zu verstehen, musst du deine Geschichte kennen. Im Fall von Kurdistan und dem kurdischem Volk ist es nochmal verstärkter.”

Du kannst etwas Verlorenes nur dort finden, wo du es verloren hast. Als ein Volk, dessen Existenz immer abgelehnt wurde, kann man sie nur mit der Kenntnis über die eigenen Geschichte ausleben. Ein Leben mit einer versteckten oder falschen Geschichte, kann nur ein falsches Leben sein. Die Geschichte Kurdistans wird noch heute verleugnet und verdeckt. 

Wir sind die Kraft

Es liegt in unserer Hand, dies zu ändern – genauso wie wir das gesellschaftliche Leben in unserer Geschichte tief verankert haben. Und das, indem Menschen die Selbstverteidigung in allen Bereichen fördern. So sehr sie nämlich auch versuchen die Menschen zu spalten, so sehr sollten wir die Einheit und Struktur stärken. Denn unser Vorteil wird immer die Substanz sein. Von der Kleidung, den Govend-Tänzen bis zu den Liedern hat alles eine besondere Bedeutung. Sie hat einen Grund und ein Ziel, was sie zur Kultur macht. Das ist die wahre Kraft der Selbstverteidigung.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *